Kieferorthopädie - in welchem Alter ?

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Zwar werden kieferorthopädische Behandlungen in den meisten Fällen erst nach dem 9. Lebensjahr begonnen, jedoch ist es sinnvoll, bereits im Kindergartenalter eine erste Untersuchung durch den Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden durchführen zu lassen. Zweck einer solchen Untersuchung ist die Feststellung, ob die Gebissentwicklung regelrecht verläuft oder ob Einflüsse vorliegen, die diese Entwicklung beeinträchtigen können.

Weitere Kontrolluntersuchungen sind dann in regelmäßigen Intervallen - je nach Gebisssituation in Abständen von 1 bis 2 Jahren - sinnvoll, bis der Zeitpunkt gekommen ist, an dem entschieden werden kann, ob bzw. dass eine kieferorthopädische Behandlung erforderlich ist.

In der Zwischenzeit ist es Aufgabe des Zahnarztes bzw. Kieferorthopäden erforderlichenfalls durch vorbeugende Maßnahmen Fehlentwicklungen bzw. die stärkere Ausprägung vorhandener Anomalien zu verhindern. Derartige kieferorthopädisch-prophylaktische Maßnahmen können zum Beispiel im Abstellen von Habits (schlechten Angewohnheiten, wie Daumenlutschen, intensivem Nuckelgebrauch, Fehlfunktionen von Zunge, Lippen und Wangen, habitueller Mundatmung etc.) bestehen. Auch ist die Erhaltung der Milchzähne als Platzhalter für die bleibenden Nachfolger wichtig: Sollten Milchzähne - insbesondere Backenzähne oder Eckzähne - vorzeitig verloren gehen, ist zumindest eine Überwachung der dann bestehenden Lücke erforderlich, um gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zur Sicherung des Platzes für die bleibenden Nachfolger einzuleiten, z.B. einen Lückenhalter einzugliedern. Zu den prophylaktischen Maßnahmen gehört auch das Einschleifen von Milchzähnen, wenn diese als Gleithindernis die Gebissfunktion stören oder einen wachstumsbehindernden Faktor darstellen.

Bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts für die Einleitung aktiver kieferorthopädischer Maßnahmen mit herausnehmbaren oder festsitzenden Apparaturen muss beachtet werden, dass

 

  • das Wachstum des Gesichtsschädels sowie die mit Zahnwechsel und Zahndurchbruch einhergehenden Veränderungen für die Therapie optimal genutzt werden

  • die Belastung der Patienten und ihres Umfelds möglichst gering sein sollte und

  • Behandlungsaufwand und -effekt in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen.



Der Kieferorthopäde wird auch darauf achten, dass die Dauer der Behandlung, d.h. die Phase der aktiven Therapie und der anschließend erforderlichen Stabilisierung möglichst kurz gehalten wird.

Für die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist das Alter des Patienten von nachgeordneter Bedeutung. Entscheidend sind vielmehr der Ablauf der Zahnentwicklung und des allgemeinen Körperwachstums sowie der Charakter der Anomalie.

Da eine kieferorthopädische Betreuung in der Regel erst nach Abschluss des Zahnwechsels, d.h. nach Durchbruch der 2. bleibenden Mahlzähne, beendet werden kann, wird die Therapie bei Patienten mit verzögertem Zahndurchbruch später einzuleiten sein als bei Frühzahnern, um die Gesamtbehandlungszeit nicht zu sehr auszudehnen.

Für die optimale Behandlung einer Reihe von Kieferanomalien (z.B. Unterkieferrücklage, Unterentwicklung des Oberkiefers) ist anhaltendes Wachstum unerlässlich. Andererseits können ungünstige Wachstumseinflüsse zu einer Verstärkung der Anomalie, einer Erschwerung der Behandlung und einer Verschlechterung der Behandlungsaussichten beitragen (z.B. bei Progenie, skelettal offenem Biss etc.). Kenntnisse über Stand und Ablauf der skelettalen Entwicklung sind in beiden Fällen für die zeitliche Planung einer kieferorthopädischen Therapie also von großer Bedeutung.

Anomaliebezogen und unter Berücksichtigung der verschiedenen Apparatesysteme lassen sich die Zeitabschnitte für kieferorthopädische Maßnahmen in folgende Altersstufen unterteilen:

 

  • Säuglingsalter

  • Milchgebiss

  • 1. Phase des Zahnwechsels

  • 2. Phase des Zahnwechsels

  • Bleibendes Gebiss

  • Erwachsenenbehandlung